Einleitung
Die vorliegende Entscheidungsmatrix bewertet die drei strategischen Optionen Make (Neuentwicklung), Modify (Weiterentwicklung des bestehenden Sozialbank-Net.Tool XXL) und Cooperate (Kooperation mit einem externen Marktpartner) anhand von zehn gewichteten Kriterien. Die Bewertung basiert auf den Ergebnissen der Feature-Gap-Analyse, der technischen Due Diligence, den MoSCoW-Priorisierungsergebnissen, den Stakeholder-Interviews sowie der Marktanalyse.
Methodischer Hinweis: Die Scores für die Modify-Option basieren auf den erhobenen Bewertungsdaten des bestehenden SozialBank-Net.Tool XXL (Schulnotensystem 1–15) und den Erkenntnissen der technischen Due Diligence. Die Scores für die Make-Option wurden unabhängig bewertet und reflektieren das Potenzial einer Neuentwicklung unter Berücksichtigung realistischer Umsetzungsrisiken (insbesondere Time-to-Market und Kosten). Die Scores für die Cooperate-Option stützen sich auf die Marktanalyse und die Angebotsbewertung von FundraisingBox und RaiseNow.
Hinweis zum Prototyp: Der unter sozial-fundraise-hub.lovable.app verfügbare Prototyp der Make-Option demonstriert einen modernen, ansprechenden Spenden-Workflow mit zeitgemäßem UX-Design. Er deckt den grundlegenden Spendenprozess ab, lässt jedoch wesentliche Must-Have-Features wie Spendenquittungen, Payment Reconciliation, SEPA-/EBICS-Integration, Self-Service für Dauerlastschriften und API-Schnittstellen noch offen. Der Prototyp belegt die Machbarkeit des Make-Ansatzes, verdeutlicht aber zugleich den erheblichen Restaufwand bis zur Produktionsreife.
Teil 1 — Zusammenfassende Bewertungsmatrix
Die nachfolgende Matrix zeigt die Bewertung jeder Option je Kriterium auf einer Skala von 1–15 Punkten. Die qualitative Einstufung (Hoch/Mittel/Niedrig) gibt die strategische Einschätzung wieder; die Punktzahl in Klammern ist der zugewiesene Score. Modify-Scores basieren auf den erhobenen Produktdaten; Make-Scores sind unabhängig für das Greenfield-Szenario bewertet.
| Kriterium | Gewicht | Make | Modify | Cooperate | Empfehlung |
|---|---|---|---|---|---|
| Strategische Unabhängigkeit | 15 % | Hoch (14) | Mittel (9) | Niedrig (5) | Make |
| Vendor-Lock-in-Risiko | 10 % | Niedrig (14) | Mittel (8) | Kritisch (3) | Make |
| Time-to-Market (realistisch) | 10 % | Niedrig (5) | Mittel (8) | Hoch (14) | Cooperate |
| Feature-Kontrolle | 10 % | Hoch (14) | Mittel (7) | Niedrig (6) | Make |
| Kundenbindung & Differenzierung | 12 % | Hoch (13) | Mittel (7) | Niedrig (5) | Make |
| 5-Jahres-TCO | 10 % | Niedrig (5) | Mittel (8) | Hoch (13) | Cooperate |
| Skalierbarkeit | 8 % | Hoch (13) | Niedrig (5) | Hoch (12) | Make |
| Regulatorische Autonomie | 8 % | Hoch (14) | Mittel-Hoch (11) | Niedrig (6) | Make |
| Datenhoheit & Datenschutz | 10 % | Hoch (14) | Hoch (13) | Mittel (7) | Make |
| Integrationsflexibilität | 7 % | Hoch (13) | Niedrig (5) | Mittel-Hoch (11) | Make |
| Gewichtete Gesamtbewertung | 100 % | 11.93 | 8.22 | 7.86 | Make |
Gesamtergebnis (gewichtet):
Make: 11.93 Punkte | Modify: 8.22 Punkte | Cooperate: 7.86 Punkte
Empfehlung: Make — Die Make-Option erzielt den höchsten gewichteten Gesamtscore. Sie adressiert die strategischen Kernziele der SozialBank – insbesondere Kundenbindung, Differenzierung, Datenhoheit und regulatorische Autonomie – am überzeugendsten. Obwohl Make bei Time-to-Market und Kosten hinter der Cooperate-Option zurückbleibt, überwiegt das Gesamtpaket aus strategischer Kontrolle, Vermeidung kritischer Vendor-Lock-in-Risiken und langfristiger Unabhängigkeit.
Teil 2 — Analyse je Kriterium
Die folgenden Abschnitte erläutern für jedes Kriterium die zentralen Trade-offs zwischen den drei Optionen. Die Bewertungen stützen sich auf die Scoring-Daten der Feature-Gap-Analyse (Modify), unabhängige Greenfield-Einschätzungen (Make), die Ergebnisse der technischen Due Diligence, die MoSCoW-Priorisierung sowie die Stakeholder-Interviews.
1. Strategische Unabhängigkeit (15 %)
Die Make-Option bietet der SozialBank die volle Kontrolle über Roadmap, Priorisierung und strategische Ausrichtung der Fundraising-Software. Wie in der internen Analyse dargelegt, ist dies ein zentraler Vorteil: „Volle Kontrolle über Funktionen, Daten und Sicherheit“ sowie ein „Alleinstellungsmerkmal durch eigene, anbieterunabhängige Lösung.“ Eine Neuentwicklung erlaubt es, die Architektur von Anfang an auf die bankeigenen Bedürfnisse auszurichten – ohne Altlasten oder Abhängigkeiten. Die Modify-Option perpetuiert die Abhängigkeit vom bestehenden Dienstleister, der das Produkt seit über 10 Jahren betreut. Die Cooperate-Option mit FundraisingBox oder RaiseNow bedeutet, dass wesentliche Produktentscheidungen beim Kooperationspartner liegen. Für eine Bank mit dem Ziel, sich als „führender Fundraising-Partner“ zu positionieren, ist strategische Unabhängigkeit ein gewichtiger Faktor.
2. Vendor-Lock-in-Risiko (10 %)
Dieses Kriterium bewertet das Risiko, dass Endkunden der SozialBank durch Abhängigkeiten an einen externen Anbieter gebunden werden – mit potenziell existenzbedrohenden Folgen. Bei der Make-Option verbleibt die gesamte Kundenbeziehung bei der Bank: Quellcode, Infrastruktur und Kundendaten sind bankeigen, ein Wechsel des Entwicklungspartners ist jederzeit möglich, ohne dass Endkunden betroffen wären. Die Modify-Option erhält einen niedrigeren Score, da bereits heute einige Kunden aufgrund der fehlenden Kernfunktionalität des bestehenden Net.Tool XXL eigenständig zur FundraisingBox gewechselt sind. Diese Abwanderung verstärkt das Lock-in-Risiko: Je länger die Funktionslücken bestehen bleiben, desto mehr Kunden migrieren zu Wettbewerbsprodukten und werden dort gebunden. Die Cooperate-Option birgt das kritischste strategische Risiko: Wenn FundraisingBox (4 Mitarbeiter) oder RaiseNow von einem Bankenwettbewerber übernommen wird, könnten Endkunden, die bereits auf die Funktionalität und Workflows des Kooperationspartners angewiesen sind, praktisch über Nacht an den Konkurrenten verloren gehen. Dieses Szenario ist nicht hypothetisch – Konsolidierungen im FinTech-Markt sind gängig. Der Exklusivitäts-Score für FundraisingBox liegt bei lediglich 10/15, was zeigt, dass auch die interne Analyse dieses Risiko nicht vollständig ausschließen konnte.
3. Time-to-Market (10 %)
Hier zeigt sich der größte Nachteil der Make-Option. Der intern diskutierte Zeithorizont liegt bei etwa drei Jahren; der ursprüngliche Plan eines Go-live zum Jahresende wurde als unrealistisch eingestuft. Der Prototyp unter sozial-fundraise-hub.lovable.app zeigt zwar einen funktionierenden Spenden-Workflow mit modernem UX-Design, deckt aber wesentliche Must-Haves wie Spendenquittungen, Payment Reconciliation, SEPA-/EBICS-Integration und API-Schnittstellen noch nicht ab. Für eine realistische Neuentwicklung ist mit 18–24 Monaten bis zum MVP zu rechnen. Die Modify-Option könnte schneller liefern, da die bestehende Infrastruktur (AWS, PCI-DSS, EBICS-Anbindung) genutzt wird, benötigt aber umfangreiche Erweiterungen inklusive Rebranding – realistisch 9–12 Monate. Gleichzeitig wächst der Druck aus dem Geschäftsbetrieb: Ein komplettes Spendenjahr vergeht ohne neue Features, während Kundenanfragen zunehmen. Die Cooperate-Option mit FundraisingBox bietet sofortige Verfügbarkeit einer markterprobten Lösung – der Funktionalitäts-Score von 14,55/15 belegt dies eindrucksvoll.
4. Feature-Kontrolle (10 %)